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15. - 24. September

Die gangart 2006 ist zu Ende.

Die gangart 2008 wird kommen.
 

Jetzt sind die Installationen wieder abgebaut. Die großen und kleinen Eingriffe ins Öffentliche. Dann stehen die Leerstände wieder leer, damit der Beutel dieser oder jener voller werde.

Was bleibt, sind die Eindrücke. Die Anstöße. Die inneren Bilder. Die verrückten Wahrnehmungen im immer Gleichen.

À la longue nur wird das wirken. Aber wirken wird es. Das ist genug. Ich bin gewiss: Auch diesem Kokon wird ein wunderschöner, leicht dahinschwebender Schmetterling entschlüpfen.

Fast alle der an der gangart 2006 beteiligten Künstler/innen haben einen respektablen Einsatz und ein beachtliches Engagement gezeigt. Waren bereit zum Gespräch mit der Bevölkerung und offen für den, auch kritischen, Dialog untereinander. Dafür danke ich allen Beteiligten ganz herzlich.

Wir, als Organisatoren, haben getan, was wir konnten, um Ihnen, den Künstler/inne/n ihre Arbeit zu ermöglichen. Wir zahlen auch, was wir können. Sie, die Künstler/innen werden davon nicht reich. Aber auch nicht ärmer. Immerhin haben wir, im Vergleich zur ersten gangart 2002, das Honorar verdoppelt.

Lassen Sie mich an dieser Stelle nochmals allen danken. Den Ehrenamtlichen, in und außerhalb unseres Vereins, den Spender/innen, Sponsor/innen, denen also, die bis dato gegeben. Denen, die noch nichts gegeben, sage ich: Es fehlt noch einiges. Bitte, lasst uns nicht hängen. Dank auch an die Institutionen und Firmen: Die Gemeinde Bischofsheim, den Kreis Groß-Gerau, die Nassauische Heimstätte, die Deutsche Bahn, die Deutsche Annington, die Wohnungsprivatisierungsfirma Alt und Kelber, die Baugesellschaft Ried, die Kreissparkasse Groß-Gerau, ohne die wir keinen Zugang zu den Leerstands-Gebäuden gehabt hätten.

Das ist alles gut, sehr gut weiter gegangen. Und es wird weiter gehen. Besonders freue ich mich, dass ein 2002 schon gestecktes Ziel endlich erreicht ist: Zum ersten Mal können wir dieses Jahr den Bischofsheimer Kunstpreis der gangart verleihen. Dank der Volksbank Mainspitze und dem Lions Club, die den Grundstock gelegt haben und alle zwei Jahre wieder legen werden. 1300 € können wir dies Jahr als Preisgeld ausschütten. 2000 € streben wir an und werden wir im nächsten Lauf erreichen.

Die Entscheidung, wer den Preis bekommen sollte, war nicht leicht, ist aber doch klar und überzeugend ausgefallen. Der Jury gehörten an: Dr. Isolde Schmidt, Kunsthistorikerin aus Wiesbaden, Prof. Dr. Wolf Spemann, Hochschullehrer und Bildhauer, Wiesbaden und Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Hochschullehrer, Bischofsheim / Hildesheim. Neben diesen drei Fachleuten haben die Teilnehmer/innen der Führungen und die Besucher/innen der Ausstellungen ihr Votum abgegeben. Und das Votum der vox populi, Karin Wehner und ich haben es ausgewertet, wie der Fachleute war einmütig. Die Fachfrau und die Fachmänner haben die künstlerische Qualität wie die Projektrelevanz der einzelnen Beiträge bewertet. Ich selbst habe nicht mitgestimmt. Ich habe auch keinen Bewertungsbogen abgegeben. Ich habe wohl eine Meinung. Die Künstler/innen sind mir zum Teil sehr nah gekommen. Was ich ihnen zu sagen habe, bleibt der gemeinsamen Auswertung vorbehalten. Die Entscheidung für die Arbeit, in der Votum der Jury und vox populi sich trafen, fiel so eindeutig aus, dass der Preis an eine Person gegeben und nicht geteilt oder gar gedrittelt werden musste.

Genug der Vorrede. Das Wort hat nun Prof. Dr. Schneider. Ihnen allen danke ich, und rufe Ihnen zu: Danke fürs Mitgehen und noch viele gute Tage und geruhsame Nächte bis zur gangart 2008 – so Gott will, sie wieder kommen und wir leben.

Hans Dieter Bechtel, Leiter der gangart 2006

 

1. Bischofsheimer Kunstpreis
 

Der erste Bischofsheimer Kunstpreis, der im Rahmen der "gangart 2006" verliehen wird, geht an Nezaket Ekici.
 





Die Künstler hätten sich in den vergangenen zehn Tagen Altbewährtem bemächtigt, um dem einen neuen Wert beizumessen und neue Sichtweisen zu schaffen, sagte Prof. Wolfgang Schneider in seiner Rede zur Verleihung des Preises. Der Professor für Kulturpolitik nannte auch das Rezipieren von Kunst durch Aufmerksamkeit, Offenheit und der Versuch des Verstehens Arbeit. Prof. Wolfgang Schneider, Dr. Isolde Schneider und Prof. Wolf Spemann hatten als Fachleute die Arbeiten aller 20 Künstler besucht und beurteilt.

Viele Besucher der Gangart haben außerdem ihr Votum für den Kunstpreis abgegeben, so dass eine einmütige Wahl auf die 36-jährige Nezaket Ekici fiel. Die Deutsch-Türkin habe mit ihrem Video, in dem Bischofsheimer ihren Namen erklären, ein Wechselspiel zwischen Vertrautheit und Fremdheit geschaffen. Es finde ein Nachdenken über Identitäten, Kommunikation und Orte statt. "Was wissen wir übereinander? Manchmal noch nicht einmal den Namen", sagte Prof. Wolfgang Schneider, einer der drei Juroren, der auch die zweite Installation der in Stuttgart und Berlin lebenden Künstlerin würdigte.
Prof. Wolfgang Schneider, einer der drei Juroren, lobte den "Mut zur Melange", denn die Installation "Islamic Chapel" aus schwarzem Stoff mit ausgestanzten Suren und goldenem Kreuz vereinigt zwei Weltreligionen. Die Kapelle lasse zusätzlich den alten Rundlockschuppen zu einem Kunstraum werden, zeigte sich Schneider begeistert.

Ausdrücklich zu würdigen sei das kommunikative Projekt für zehn- bis zwölfjährige Mädchen von Barbara Beisinghoff in Zusammenarbeit mit Volker Schütz. "Denn wo sollen die zukünftigen Kulturverständigen herkommen, wenn ästhetische Erziehung nicht zum Bestandteil unseres Lebenscurriculums gehört?"

Besonders erwähnt und gewürdigt wurde auch die Videoinstallation von Carolyn Krüger, die in der ehemaligen Trafostation auf dem Gelände der Deutschen Bahn zu sehen war. Die Sprengung der Frankfurter Bahnzentrale, die damit im vielleicht nächsten Abbruchprojekt zu sehen ist, sei schon ein eindringlicher Eindruck, lobte Schneider. "Fällt uns in unserer Welt denn nichts anderes mehr ein als die Verwertbarkeit derselben?"

Lobend erwähnt wurden die Arbeiten von Peter Schulz. Seine „Raumbezeichnung“ sei eine körperliche Aktion und auch deshalb besonders, weil der Künstler bei seiner Arbeit zu beobachten ist. Spinnenweben, Schimmel oder einfach Spuren, jeder Betrachter könne eigene Assoziationen beim Betrachten der mit Bleistiften bezeichneten Wände in einem kurz vor dem Abbruch stehenden Wohnhaus entwickeln. Hier werde auch die Vergänglichkeit von Kunst deutlich. Man solle doch darüber nachdenken, den Gebäudekomplex zum Weltkulturerbe zu erklären, witzelte Schneider, dem es sichtlich leid tat, dass mit dem Abbruch auch die Raumbezeichnungen verschwinden.
 

Rede von Hans Dieter Bechtel (PDF)
Ansprache von Prof. Wolfgang Schneider
"names" und "Islamic Chapel" von Nezaket Ekici
Pressemeldungen
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Aufbauphase

11. - 14.09 Werkprozesse
Aufbau durch die Künstler/innen
 

gangart 2006

15. - 24. September   11 bis 20 Uhr

Fr 15.09


Sa 16.09


So 17.09



Mo 18.09



Fr 22.09



Sa 23.09


So 24.09
Eröffnung
Prof. Dr. Wolf Spemann, Wiesbaden
Theodor-Heuss-Schule um 17:00 Uhr

Gespräche mit Künstler/innen
Quartiersbüro um 19:00 Uhr

two voices + a piano
fit for life
Georg-Mangold-Schule um 19:30 Uhr

roundtable
Wohnen wir nur hier oder leben wir hier schon?
Georg-Mangold-Schule um 19:30 Uhr

Theaterwerkstatt Mainz
Elfriede Jelinek - Ein Sportstück
Georg-Mangold-Schule um 20:00 Uhr

Gespräche mit Künstler/innen
Quartiersbüro um 16:00 Uhr

Kunstpreisverleihung
Reinhard Bersch, Bürgermeister und Roger Lenhart, MdL
Vortrag Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Hildesheim
Theodor-Heuss-Schule um 11:00 Uhr
 
  Terry Keegan - Wie im Wohnzimmer
Mo 11.09
Di 12.09
 Di 19.09
Do 21.09
Gustavsburg, Gerberhaus um 20:00 Uhr
Ginsheim, St Marien um 20:00 Uhr
Theodor-Heuss-Schule um 20:00 Uhr
Theodor-Heuss-Schule um 20:00 Uhr
Fr 15.09
Sa 16.09
So 17.09
Fr 22.09
Sa 23.09
Ruth Geiersberger -
gib mir ein ding von dir

Sammlung der Habseligkeiten:
jeweils 15:00 - 19:00 Uhr,
So 11:00 - 14:00 Uhr
im Friseursalon Süssmann am Friedrich-Ebert-Platz
Habseligkeiten Tauschbörse:
Sa 23.09. ab 19:00 Uhr
 

Veranstaltungsort

65474 Bischofsheim (bei Mainz)
Info im Quartiersbüro in der Friedrich-Ebert-Str. 29, 
Fon 06144-970610
E-Mail: Kunst[at]gangart2006.de
Lageplan

Die gangart 2006 greift konkret, vor Ort, das Thema "Integration" auf.

Das 11 ha große, diesjährige Projektgebiet "Am Alten Gerauer Weg” liegt am Süd-Ost-Rand von Bischofsheim. Hier leben zurzeit rund 1.100 Menschen unterschiedlicher Nationalitäten.
Die Nationalitätenstatistik (Stand 01.01.2004) gibt eine Anmutung. Das Ortsbild von Bischofsheim lässt indes nicht erkennen, dass hier Menschen aus 85 Nationen leben. Leider sind in der Religionsstatistik die Nicht-Christen nicht weiter aufgeschlüsselt. Der Anteil an Muslimen dürfte etwas über 1.000 betragen. Insgesamt ist der Ausländeranteil im Gebiet mit 32% doppelt so hoch wie in den übrigen Ortsteilen Bischofsheims. Viele Ausländer haben bereits Wohneigentum erworben.

Die gangart 2006 greift das zentrale Thema des Projektes "Soziale Stadt" auf, das die Nassauische Heimstätte" gerade im Gebiet "Am Alten Gerauer Weg" begonnen hat.
Für ihren Aktionszeitraum ist die gangart 2006 Teil des Projektes der "Sozialen Stadt". Die Einbindung in das und die Verbindung mit diesem Projekt verleihen der Aktion eine größere Nachhaltigkeit.

Teilnehmer/innen
an der gangart 2006

Barbara Beisinghoff, Dreieich
Farid Ben Yahia, Reinheim
Bernd Brach, Wiesbaden
Nezaket Ekici, Berlin
Nicole Fehling, Wiesbaden
Ruth Geiersberger, München
Wolfgang Gemmer, Wiesbaden
Frank N. Hoffmann, Karlsruhe
Brigitte Kottwitz, Frankfurt
Carolyn Krüger, Frankfurt

Sibylle Mayr, Wiesbaden
Jeanette Oellers, Esslingen
Jürgen Schirrmacher
Wolfgang Schliemann, Wiesbaden
Nic Schmitt
Peter Schulz, Mandel
Susanne Schwarz, Wiesbaden
Axel Schweppe, Wiesbaden / Köln
Annegret Soltau, Darmstadt
Tünde Vas
 

 

 
 
weitergehen angehen zusammengehen

Alle zwei Jahre laden rund zwanzig Künstler/innen zum Dialog ein. Verändern Vertrautes und fordern Antwort und Stellungnahme heraus: Was ist hier Kultur?

Das kulturelle Profil Bischofsheims ist spätestens seit der Epoche der
Industrialisierung nicht mehr einheitlich. Arbeitsmigranten der Eisenbahn veränderten die agrarisch geprägte Bevölkerungsstruktur. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts forderten die Bevölkerungsverschiebungen erhebliche Integrationsleistungen.

Die Identität des Gemeinwesens wurde kontinuierlich vor allem durch die Eisenbahn und die Automobilindustrie geprägt. Besonders letztere zog in den 60er und 70er Jahren weitere Arbeitsmigranten in den Ort.

Heute leben in Bischofsheim Menschen aus über 70 verschiedenen Kulturen. Man ist bunter geworden, ging aber, als Folge der wirtschaftlichen Umwälzungen, seiner Identität verlustig. Im Gesamterscheinungsbild des Ortes ist ersteres kaum, letzteres überdeutlich zu erkennen.

Die gangart will dazu beitragen, das kulturelle Erbe zu erhalten. Zugleich aber darüber hinausweisenden, es in frage stellenden oder auch auf einem anderen kulturellen Erbe gründenden Welt- und Lebensentwürfen Raum geben. Sie will beitragen Verständnis füreinander zu entwickeln, indem man sich auf gemeinsame Werte einigt und dem Zusammenleben eine neue soziale und kulturelle Dimension verschafft.

Hans Dieter Bechtel
 
Kontakt:
Runder Tisch Kultur e.V.
c/o Hans Dieter Bechtel
Taunusstraße 21
65474 Bischofsheim
Telefon: 06144/970610
eMail: Kunst[at]gangart2006.de
Foto: Ludwig Gützkow
 

Sponsoren der gangart

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